Wie ich mir Essen
beschaffte
Manchmal haben Menschen bekanntlich Hunger. Dann essen sie etwas.
Es gibt soooo viele tolle Essen. Gesundes Essen. Ungesundes Essen. Leckeres
Essen. Weniger leckeres Essen. Teures Essen und so weiter…
Ich hatte Montag um 1100 auch Hunger. Leider war mein
Kühlschrank, bis auf die schon drei Wochen dort frierenden Wiener Würstchen, komplett leer. Überlegte, ob mir die vorhandenen Würstchen helfen würden mein
Hungerproblem zu lösen. Minuten vergingen. 1123 dann die Entscheidung in meinem
Kopf: Nein! Weil die Dreiwochenimkühlschranksteherwürstchen nicht mehr lecker
waren. Auch nicht mehr gesund. Nicht mehr frisch und erst recht nicht
appetitlich. Deshalb musste ich mir was einfallen lassen. Und da ich ein
cleverer, gutaussehender Anfangszwanziger bin, dauerte es nicht lange und ich
hatte einen Plan…
Der war bombensicher. Einfach ein Riesen-Einfall.
Zuerst musste ich mich waschen. Zahn putzen. Dann einkleiden. Was mir gut
gelang, mache ich ja nun schon einige Jahre selbst. Da fällt mir ein, wie schön
das war, als meine Mama mich früher noch in meine Outfits geschubst hat, ich
mir keine Gedanken über meine Optik machen und einfach nur noch mit dem Auto zur
Arbeit fahren musste. Einfach herrlich…meine Fantasie. Natürlich zieh‘ ich mich
selbst an, seit, ja seit wann eigentlich? Müsst ich mal nachfragen. Wenn’s euch
interessiert. Jedenfalls war ich noch in der Grundschule und durfte konnte noch
kein Auto fahren. Und erst recht nicht Arbeiten.
…zurück zur Essenbeschaffung. Also erst waschen, dann
anziehen. So weit, so gut. Klappte fehlerfrei. Dann wollte ich aus dem Haus, in
mein Auto und die 1029 Meter zum Supermarkt fahren und Nahrung einkaufen. Das
klappte. Nicht. Jedenfalls nicht so, wie’s geplant war. Warum? Ich sag euch
warum! Weil ganz Köpenick einfach eine Baustelle ist. Ich machte die Tür auf
und stand im Stau! Bin noch nicht mal im Auto gewesen und nichts ging mehr. Konnte
nicht vor und nicht zurück. Okay, zurück wär gegangen. Dann wär ich wieder im
Haus gewesen. War aber nicht der Sinn der Sache.
Irgendwann, nach unzähligen
Minuten und völlig verschwitzt, saß ich dann in meinem Golfi. Juhuuu! Konnte
also losgehen. Musste auch losgehen, weil es ungefähr 383848430 Grad Celsius im
Auto waren. Der Planet drückte nicht, der brannte! Ich musste schnellstmöglich
die Route hinter mich bringen, bevor mir das Lenkrad zwischen den Pfoten wegschmolz. Lief auch ganz gut…
...die ersten 304 Meter. Meine Fresse. Dann wieder Stau. Was
bauen die hier denn überall? Konnte mir die Frage nicht beantworten und fragte
deshalb aus meinem schwarzen Golfi einen Fachmann. Einen Bauarbeiter
am Straßenrand. Antwort: „Straße.“ Darauf ich: „Sinnvoll, weil hier ja noch
keine ist.“ Darauf er: „Jop.“ – Glaube, woanders als bei den Straßenbauern
würde dieser Baui auch keine Chance haben. Gut vielleicht könnte er noch eine leitende Funktion bei einem Blau-Weißen Ex-Bundesligisten einnehmen, doch noch ist diese Stelle ja besetzt. Auf jeden Fall ist er ein ganz heißer Kandidat für die Nachfolge des aktuellen Zepterschwingers in Charlottenburg...
Nun denn,… nach 14 Minuten hatte
ich die Hälfte der Strecke (wir erinnern uns: Distanz Wohnung -> Supermarkt
= 1029 Meter) dann doch schon zurückgelegt. Erkannte die Silhouette des
Zielorts. Gleich war ich da. Gut, aus gleich wurden 31 Minuten später. Aber ich
war angekommen. Stürmte in den Laden. Packte alles ein was ich finden konnte.
Was verzehrfertig war. Beziehungsweise, Dinge von denen ich wusste, dass ich
sie mir auch zu Hause selbst zubereiten konnte. Zum Beispiel Nudeln. Tüten-Suppe.
Dosen-Suppe. Wiener Würstchen…
Mein Plan ging also auf. Musste er ja auch. War ja ein
Riesen-Einfall und bombensicher. An der Umsetzung muss ich beim nächsten Mal
noch feilen. Fast zwei Stunden brauchte ich mit allem drum und dran. Ahhh, das ist bestimmt auch dieses Slow-Food von dem alle reden, oder? Ja? Na jedenfalls ist das nicht so mein Fall. Dauert mir zu lange. Vielleicht muss ich den knappen Kilometer dann doch zu Fuß gehen? Wäre eventuell
schneller. Wobei ich mir da nicht mal sicher bin. Weil wie gesagt, in Köpenick
kommst du aus der Haustür und stehst drin, im Stau.
Muss ich mir noch was
Einfallen lassen für den kleinen Fehler im Plan. Aber da habe ich ja noch Zeit.
Habe erst mal keinen Hunger und wenn der dann doch mal kommt, dann hab ich ja
noch Wiener im Kühlschrank. Von Montag…
S.J.
S.J.
