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Dienstag, 3. November 2009

Aus dem Leben ...Teil 6


Zwei Hauptstadtclubs auf divergierenden Wegen

Berlin – Die Regenwolken verdunkeln die Hauptstadt. Ein fast schon symbolisches Szenario spielt sich über Berlin ab, denn so düster wie der Himmel ist auch die aktuelle Stimmungslage beim einzigen Berliner Fußballerstligisten, Hertha BSC. Die Charlottenburger befinden sich in akuter Abstiegsgefahr und rangieren nach 11 gespielten Runden und nur 4 Punkten auf der Habenseite auf dem letzten Tabellenplatz der 1. Bundesliga. In der letzten Spielzeit sorgten die Kicker der „Alten Dame“ noch für Furore und standen sogar nach dem 32. Spieltag auf dem UEFA Champions League-Qualifikationsplatz und hatten sogar noch realistische Chancen auf die erste Deutsche Meisterschaft seit 1931. Am Ende sprang Platz 4 heraus, der Berliner Vorzeigeklub erreichte damit die neueingeführte UEFA Europa-Liga und war das Überraschungsteam der Saison. Der Schweizer Trainer Lucien Favre wurde fast schon frenetisch gefeiert, ebenso seine Mannschaft um ihren Capitano und einzigen Deutschen Nationalspieler Arne Friedrich. Nicht einmal 6 Monate sind seit dem ins Land gezogen. Eigentlich keine lange Zeit, aber wie gesagt, eigentlich. Im Geschäft Profifußball zählen andere Gesetze und eine andere Zeitrechnung. Lucien Favre und dessen Co-Trainer Harald Gämperle mussten ihre Hüte nehmen und Stühle räumen, da man mit 3 Punkten nach 7 Spieltagen weit hinter den Erwartungen herhechelte. Ein paar Wochen zuvor entledigte sich Hertha BSC bereits von Manager Dieter Hoeneß und installierte den bis dahin in der Geschäftsstelle arbeitenden Michael Preetz als neues Herthagesicht. Favre sagte nach seinem Rauswurf, dass sich der Club von der Absetzung Hoeneß‘ nie erholte und gestand ein selbst Fehler gemacht zu haben, indem er zu viele Kompromisse einging. Kompromisse sind seiner Meinung nach ein Zeichen von Schwäche. Außenstehende munkeln, dass Favre nur begrenztes Mitspracherecht bei der Personalpolitik hatte. Die Frage die sich nicht nur der Fan, sondern auch Beobachter stellen, dürfte wohl die sein, ob es der Hertha finanziell so schlecht geht, dass sie wichtige Spieler wie Josip Simunic (nach Hoffenheim), Andrej Voronin (nach Liverpool) und Marko Pantelic (nach Amsterdam) ziehen lassen musste. Adäquater Ersatz wurde nicht geholt. Billig-& torlos Bomber Arthur Wichniarek (aus Bielefeld), Adrian Ramos (von America de Cali), Rasmus Bengtsson (aus Trelleborg), Nemanja Pejcinovic (aus Belgrad), Florian Kringe (aus Dortmund, verletzte sich allerdings im ersten Spiel für die Hertha) und Torwart Timo Ochs (vereinslos) der erst im Laufe der Saison geholt wurde, konnten die entstandenen Lücken nicht schließen. Preetz‘ erste ernst zunehmende Amtshandlung war der Rauswurf des Schweizers Favre und die suche eines neuen Headcoaches. Für die Überbrückungszeit stellte sich mal wieder Karsten Heine zur Verfügung, der Amateurcoach der Blau-Weißen sprang schon öfter als Interimscoach ein. Dieser wurde jedoch nach nur einem Spiel durch Eintracht Frankfurts-Ex-Trainer Friedhelm Funkel abgelöst und ordnete sich dann beim Regionalliganachwuchs wieder ein. Funkel der in einer Nacht-und Nebelaktion zu den Berlinern stieß, wusste wohl selbst nicht so richtig auf was er sich da eingelassen hatte. Denn auch nach zwei Spielen unter seinen Fittichen konnte BSC keinen Punktgewinn verzeichnen und sagte nach diesem Spiel, dass er die schwierigste Aufgabe seiner Trainerlaufbahn angetreten hat. Zwei Wochen und 2 gespielte Runden später ist Hertha BSC immer noch Tabellenletzter und Träger der Roten Laterne. Der Abstand zum vorläufig rettenden Relegationsplatz 16 beträgt mittlerweile schon beachtliche 5 Punkte, das ist immerhin schon ein Punkt mehr, als man bisher sein Eigen nennen kann.

Anders dürfte die Stimmung beim Zweiten Proficlub aus der ehemaligen Reichshauptstadt, dem 1.FC Union Berlin, trotz des eher bescheidenen Wetters sein. Der Kultclub aus Köpenick mischt derzeit als Neuling das Deutsche Fußballunterhaus, die 2. Bundesliga, auf. Derzeit rangiert der erste Deutsche Drittliga-Meister und letztjährige Aufsteiger auf dem 4. Tabellenplatz und ist punktgleich mit dem auf dem Relegationsplatz (Platz 3) liegenden FC St. Pauli. Die Saison verläuft bisher unerwartet gut für den Club aus dem Berliner Osten und lässt den sogenannten Experten sich verwundert die Augen reiben. Wer hätte den Köpenickern zugetraut ihre Erfolgsstory so nahtlos fortsetzen zu können? Niemand! Denn der Kader wurde nicht durch teure und namhafte Neueinkäufe aufgebläht, sondern punktuell und gezielt verstärkt (John Jairo Mosquera aus Bremen, Bernd Rauw aus Emden, Dominik Peitz aus Osnabrück), alle Leistungsträger konnten gehalten werden. Der Aufstieg im Sommer und die derzeitige Punktejagd sind irgendwie auch ein Geschenk an die treuen Fans, welche innerhalb der letzten Spielzeit das marode „Stadion an der Alten Försterei“ komplett sanierten und profifußballtauglich machten. Durch unzählige unbezahlte und freiwillige Arbeitsstunden sparte der Verein beim Umbau rund 2 Millionen Euro. Eine Summe die den Wert der getanen Arbeiten nicht aufwiegen kann, denn diese ist unbezahlbar! Das neue „Ballhaus des Ostens“ , wie die „Alte Försterei“ auch liebevoll genannt wird, ist eine Festung. Nach 6 gespielten Heimspielen können Fans und Verein über 15 von 18 möglichen Punkten feiern. Hinzu kommen die 8 auswärts errungenen Zähler und bilden somit zusammen die 23 Punkte, die der Aufsteiger sein Eigen nennen darf. Von einer Entlassung des Trainers, Uwe Neuhaus, ist Union soweit entfernt, wie die Erde von der Sonne und der Club scheint endlich das Image des krisengeschüttelten und finanziell in notgeratenen Clubs ablegen zu können.

Der 1.FC Union mischt die 2. Bundesliga auf, Hertha BSC kämpft hingegen um das nackte Überleben in der 1. Bundesliga, unterschiedlicher könnten die Gefühlslagen und sportlichen Situationen nicht sein. Man darf also gespannt sein, wie die restliche Saison für Berlins Profifußballclubs verlaufen wird und vielleicht kommt es ja nach dem letzten Spieltag zu einem Relegationsspiel zwischen beiden Vereinen, nämlich dann, wenn es Hertha gelingt, doch noch den 16. Tabellenplatz der 1. Bundesliga einzunehmen und die „Eisernen“ von Union den 3. Rang in der 2. Bundesliga sichern können.

…doch bis dahin ist es noch ein langer Weg, aber eines kann man schon voraussagen, sollte es zu diesem Duell kommen, wird eine ganze Stadt elektrisiert sein und sich im Ausnahmezustand befinden.

s.j.

Haben derzeit allen Grund zur Freude -die Fans des 1.FC Union Berlin

Kommentare:

  1. darf man fragen warum du immer von einer reichshauptstadt sprichst/schreibst?ist ja nun mal relativ eng mit nazideutschland verbunden ...

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  2. Quatsch Nazideutschland - die Reichshauptstadt Berlin gibt es schon unter den Kaisern seit 1871, die Weimarer Republik hieß offiziell auch noch Deutsches Reich...

    Aber mal was Anderes: Ich selbst bin Unioner (Eisern für immer!), kein ausdrücklicher Feind von Hertha oder anderen Fußballclubs (auch nicht des Unaussprechlichen). Ich hätte aber mal eine Anmerkung zum Fanverhalten von Union und speziell Hertha: Wenn Union verliert, singen die Fans trotzdem. Wenn Union wieder absteigen sollte, singen die Fans und feiern - wir hatten dann eine geile Zeit in der 2. Liga und nächstes Jahr wieder eine Aufstiegsparty! Hertha hat sich den Wichniarek zurückgeholt, der bis 2005 bei ihnen nur 4 Tore geschossen hat, dann bei Bielefeld 33 (!) Tore geschossen hat. In der AF hat er beim Eröffnungsspiel 2 mal geknipst. Das hätte die Herthaner doch wohl aufhorchen lassen sollen! Und dann trifft er diese Saison bei Hertha wieder nix? Das ist doch aber derselbe Artur wie bei Bielefeld! Das muss doch wohl eher an Hertha liegen, dass A.W. nicht trifft! Was aber machen die (sogenannten) Hertha-"Fans"? Statt ihre Spieler zu unterstützen gibt es bei Wichniareks Auswechslung Gejohle und Beifall! Das sind keine Fans ihres eigenen Vereins! Das ist wie das Publikum für Hinrichtungen im Mittelalter! Hertha! Tausche Deine "Fans" aus, nicht die Trainer, Manager oder Spieler!

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