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Donnerstag, 27. Mai 2010

Aus dem Leben ...Teil 16


„Lies‘ doch lieber mal ein Buch“

Zufälle gibt’s…wie es an einem Mittwochabend typisch ist, habe ich auf der Couch gelegen und in die Röhre geschaut. Na gut, eigentlich müsste das neudeutsch ja jetzt irgendwie anders heißen. Ungefähr so: „…in das Plasma geschaut“, „…in den Plasma geschaut“ oder „…auf den Plasma geschaut“ , sucht es euch aus, vielleicht liest ja hier der ein oder andere Linguist mit, welcher ja mal sein Können unter Beweis stellen und als Kommentar die grammatikalisch korrekte Form beitragen kann. Nun aber zurück zu meinem eigentlichen Thema. Ich sitze Mittwochabend also vor der Glotze und schaue mir Stern-TV an. Was ich seit geraumer Zeit übrigens regelmäßig mache. Man muss sich ja weiterbilden. Und Stern-TV, mit dem Jauche-Günther, ist da wohl noch am besten für geeignet. Thema diesmal war unter anderem ein Experiment bei dem eine Familie ohne moderne Medien (also Ich-Pod*, TV, Radio, Internet, Computer, Handy…) auskommen sollte. Wie lange die das durchhalten mussten kann ich jetzt nicht mehr sagen, bin da ganz ehrlich und gebe zu, dass ich zwischendurch eingeschlafen bin. Jedenfalls war ich rechtzeitig wieder wach, um mit ansehen zu können, wie die Kinder völlig am Rad drehten, der Familienvater freiwillig ein Buch las und alle 5 Minuten war ungefähr zu hören, wie langweilig und ätzend das doch alles ist. Auch wurden erste Betrug-Versuchspläne zwischen den Kindern und dem Vater geschmiedet, denn beide Parteien wollten doch unbedingt das Champions League-Finale der Bayern sehen. Bupp, wurde nichts. Der Sender mit den drei großen Buchstaben, welcher das Experiment zur Durchführung bat, wusste die Revolte zu verhindern. Die Kinder und der Vater jaulten. Die einzige Person die ganz ruhig und besonnen blieb, war die Mutter. Sie kam auch ohne den ganzen Medienpool klar und meisterte ihre täglichen Aufgaben im Haushalt auch so mit Bravour. Ich habe einige Male richtig lachen müssen und oft gedacht, dass das ja wohl nicht so schwer sein kann. Es gibt doch genug Dinge die man machen kann, wenn man keine Medien zum Spielen und sowas hat. Man kann doch zum Beispiel ein Buch lesen, Sport machen, der Mutter im Hausha…, nee, das darf ich jetzt nicht ausschreiben…das würde mir keiner glauben, dass ich das geschrieben hätte…jedenfalls kann man unzählige Sachen machen. Die Menschen früher haben das doch auch hinbekommen…gut, ich wurde eine Stunde später für meine vorlauten Gedankenspiele und Klugscheißereien bestraft. Das Bild meines TV-Gerätes verschwand und ich hatte Schnee aufm Schirm, oder im Plasma, auf dem Plasma...ach man irgendwie so, das Bild war jedenfalls weg. Panik breitete sich aus, hektisch schaltete ich alle Programme durch. Nichts. Alles weg. Dachte mir, mensch, das hatten wir doch schon einmal, das dauert nicht lange, dann kannst du weitergucken. Redete mir Mut zu. Nach 20-minütigem Schneefall in meinem Wohnzimmer, merkte ich, wie mir die ersten Tränen aus den Augen kullerten. Auf einmal war ich einer von ihr. Von der Stern-TV-Familie. Aber anders als die Fernseh-Family hatte ich eine Idee. Ich nahm mir vor zu meinem Nachbar rüberzugehen (genau, zur einen Hälfte von Right Said Fred) und ihn darum zu bitten beim TV-Notdienst anzurufen. Drückte auf die Klingel. Keine 10 Sekunden später strahlte mir eine weißhäutige Bowlingkugel ins Gesicht. Ohne jegliche Begrüßung quatschte ich ihn voll und machte ihn darauf aufmerksam, dass er meine letzte Hoffnung sei und wie elementar wichtig sein Anruf beim TV-Doktor wäre. Dann setzte ich meinen süßesten Blick auf (ich weiß ja, dass er auf sowas steht) und sah mich schon auf der Siegerstraße. Ok, innerhalb von 0,2 Sekunden holte er mich von dieser wieder runter und sagte: „Ach Kleiner, heute ist es schon spät. Leg dich in dein Bettchen und lies ein Buch.“ Dann drehte er sich um und verschloss die Tür wieder. Und genau da wurden mir 2 Dinge klar. Der Mann ist wirklich der wärmste Bruder hier im Haus und ich sollte lieber nicht so kluge Ratschläge geben, denn der Zufallsgott ist nicht gerade Stevi-Fan…



*Name wurde, der Schleichwerbung wegen, von mir geändert


Text: S.J.

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