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Dienstag, 2. November 2010

Aus dem Leben ...Teil 22



Der Tram-DJ

Ich bin sauer. Extrem sauer. Dieses Mal nicht wegen irgendwelcher Frauen, die nicht fehlerfrei den Sicherheitsgurt ihres Fiat Puntos anlegen können und auch nicht wegen irgendwelchen älteren Herrschaften, die sinnlos im Weg rumstehen. Nein, ich bin sauer auf die Jugend! Und, wenn ich jetzt sage Jugend, dann meine ich jene Jugend, die cool ist. Oder zumindest denkt, dass sie cool ist. Die Jugendlichen, die sich ihre Mütze nur auf den Kopf legen und nicht aufsetzen. Die Jugendlichen bei denen die Hosen in den Socken stecken und man nicht erkennt, ob das n Ganzkörperstrampler ist oder ob Socken und Hose auch unabhängig voneinander getragen werden können. Jugendliche, die schon nachmittags hinter dem Forum Köpenick sitzen und Alkohol verschlingen, als wäre es die letzte Flüssigkeit auf Erden. Jugendliche, die zu dämlich sind einen fehlerfreien Satz zu bilden und denken, dass sie ein MP3-fähiges Handy zum Straßenbahn-DJ macht. Diese Jugend meine ich. Otto Normalmensch hat eigentlich nicht viel mit diesen Unterschichtenkindern zu tun, doch ab und an will es der Zufall dann doch, dass beide Gruppen aufeinandertreffen…

Selbstständiges Autofahren ist zurzeit nicht drin, meine Handverletzung zwingt mich die öffentlichen Verkehrsmittel der Berliner Verkehrsgemeinschaft zu nutzen. So auch gestern. Um ins Kino zu gelangen mussten mein Kumpel und ich mit der Tram fahren und beim Einsteigen trafen wir, also die Gruppe der sozialintegrierten Menschen und eben diese Gruppe sozial-im-Brennpunkt-stehender-in-der-Entwicklung-stehengebliebener-Vollspackos aufeinander.

Wir steigen ein, stehen kaum zwei Sekunden in der Bahn und hören schon den Herrn Bushido, wie er wieder kräftig irgendwelche Mütter besingt und beleidigt und wussten gleich, dass hier ganz krasse Typen mitfahren und die Bahn nicht nur durch lautes Handymusikabspielen bespaßen, sondern auch durch unkontrolliertes-Satzfetzen-durch-die-Tram-feuern. Mein Kumpel und ich schauten uns an und mussten lachen, das war aber kein Auslachen. Sonst lachen wir über alles, lachen alles aus. Doch diesmal war das ein anderes Lachen, eines aus Mitleid. Kaum waren die Mundwinkel wieder unten entdeckte einer dieser Hirnis, dass ich eine bandagierte Hand hatte und stieß irgendwelche Laute von sich, die sich mit viel Entschlüsselungskunst nun wie folgt entziffern ließen: „Oahh…haste Finger jebrochen…du Armer…haste Mutti…“ , dann gingen wir weiter nach vorne um jeglichen Ärger aus dem Weg zu gehen…ach ja, und weil Bushido nicht wirklich unser Favorit in Sachen Musik ist^^

Aber was ich eigentlich sagen möchte ist, dass die Jugendlichen und da schließe ich mich mit ein, sich immer beschweren, dass ältere Generationen sich immer negativ über uns äußern, doch diese Bahnfahrt war der Beweis, dass sie Recht haben. Es ist nicht richtig, alle in die berühmte eine Schublade zu stecken, aber es gibt sie, die Unterschichtenkinder. Und auch nicht gerade in einer kleinen Zahl! Mich macht es extrem wütend, wenn ich sehe, was sich einige herausnehmen, sich verhalten oder sich äußern. Das hat nichts mit cool sein zu tun und auch nicht mit erwachsen sein. Das ist einfach nur dämlich!

Abschließend wünsche ich asozialen Menschen, wie diesen, dass sie das bekommen, was sie verdient haben. Einen großen Raum, in dem dann alle Kreaturen ihrer Spezies reingesteckt werden, wo sie stundenlang Handymusik anmachen können, sich mit literweise Alkohol die Zeit vertreiben und sich gegenseitig Satzfetzen an den Kopf knallen können. Amen!

Ganz zum Schluss habe ich noch eine Frage…Wie kommt der Bahnjugendliche eigentlich auf die Idee, dass er mich vollquatschen darf?


PS: Eigentlich wollte ich in der Zeit meiner Verletzung nichts schreiben, weil ich nur eine Hand zur Verfügung habe, doch ich musste meine Aggressionen loswerden und habe diese Möglichkeit gleich zum Abreagieren genutzt!

S.J.

Kommentare:

  1. Steeeeviiii, dass erinnert mich an meinen fingerverletzten RINGFINGER :D

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  2. Stevi,super Artikel.Gute Besserung.Wir warten auf den nächsten Artikel von Dir.

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