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Freitag, 12. August 2011

Aus dem Leben...Teil 25


Was ganz Besonderes!

Es ist Freitagnachmittag, kurz nach 16 Uhr. Ich sitze in einem Berliner Einkaufscenter unweit dem „Ballhaus des Ostens“, der Alten Försterei entfernt. Eigentlich nichts Besonderes.

Knapp zwei Stunden sind es noch bis zum Anstoß des dritten Zweitligaspieltages der Saison 2011/2012. Der 1.FC Union Berlin wird eine der drei gastgebenden Mannschaften an diesem Freitagabend sein und den Spieltag eröffnen. Ebenfalls nichts Besonderes. Der Gegner, der SC Paderborn: nichts Besonderes.

Ich habe ein komisches Gefühl im  Magen, was gegen jeglicher Erwartung nicht an meinem Reis-Snack liegt, den ich mir für drei Rubel achtzig beim Asiamann in des Shoppinghauses Ess-Meile geleistet habe. Nein, es sind emotionale Magenprobleme, die, wie der Name schon sagt, von Emotionen und Stimmungen hervorgerufen werden. Lasse meine Reisschüssel unbeachtet stehen, schaue mich um, sehe wie 120 Minuten vor dem Kick-off rot-weiße Menschenmassen durchs Center stürmen, sich mit Bratwurst und Bier, teilweise auch mit Eisbein und Cola, stärken. Um sich später im Kampf gegen Paderborn, in der Festung an der Wuhle, einen Dreier zu erschreien. Ich sehe wie sich völlig unbekannte Menschen, über mehrere Tische, über das vor ihnen liegende Spiel lautstark unterhalten, jeder von ihnen meint das spätere Endresultat inklusive Torschützen und Spielverlauf zu kennen.  Eigentlich nichts Besonderes. Eigentlich. Für mich schon! Ich bekomme wieder einmal mit wie besonders dieser Verein ist. Wie besonders sein Charme ist. Wie besonders diese Fans sind! Ich genieße es diesem Schauspiel zu folgen, sauge alles auf. Werde wehmütig. Erinnerungen kommen in mir hoch. Ein Jahr ist es nun her, acht Jahre Union endeten letzten Sommer. Es waren acht geile Jahre, das kann das letzte halbe Jahr, der Ablauf und die Umstände der letzten sechs Monate im Verein auch nicht kaputtmachen. Ich durfte sechs Jahre im Nachwuchsbereich des Vereins meine fußballerische Ausbildung genießen und habe neue Freunde gefunden. Ich durfte Erfolge feiern, durfte mein Profidebüt im Männerbereich geben. Ich war mittendrin, durfte alles miterleben. Bis zum letzten Sommer, von da an durfte ich nicht mehr…

Als der Eisbeinesser aufbricht, um ins Stadion zu marschieren, läuft er an mir vorbei, klopft mir auf die Schulter und spricht mir  mit einem Lächeln vier Worte zu:  „Alles Gute, Steven! Eisern!“ Gänsehaut! Muss mich zusammenreißen, nicht eine Träne zu vergießen. Ich strahle über das ganze Gesicht, weil mir klar wird, dass man mich nicht vergessen hat, dass obwohl ich nicht mehr mittendrin, ich noch einer von ihnen bin. Ein Unioner, was ganz Besonderes!


Nicht vergessen - noch immer einer von ihnen! Bild: unveu.de
S.J.



Kommentare:

  1. Ein wirklich schöner Text, der viel über Anerkennung erzählt. Gefällt mir sehr.

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  2. Einmal Unioner immer Unioner!

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  3. schön geschrieben! EISERN Tenori

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  4. Wenn ich das lese, bekomme auch ich Gänsehaut! Danke Steven!
    Eisern
    der Fux

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  5. mal abgesehen davon, dass ich im ersten Satz gerne den Genitiv genutzt gesehen hätte (unweit des Ballhaus des Ostens ;-) ), gefällt er mir sehr gut. Eben auch wegen der netten Details (dreirubelachtzig) und meiner Lieblingsumschreibung des SadAF (Ballhaus des Ostens)

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  6. Einfach Klasse dein Text,beim lesen bekommt man Gänsehaut.Bin gespannt auf den nächsten Artikel von dir Stevi.Alles Gute für dich Stevi.

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