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Dienstag, 29. November 2011

Deutschland und die Welt...Teil 15

Ein Mal Köpenick - Olympiastadion und zurück
Bundesliga: Hertha BSC Berlin - Bayer 04 Leverkusen 3:3 (2:1)

Meine Freundin Bina und ich hatten uns schon immer mal vorgenommen ein Bundesliga-Spiel live im Stadion anzusehen. Da es Samstag zeitlich passte und, wen wundert‘s, ganz zufällig Hertha BSC noch Karten am Spieltag im Verkauf hatte, besorgten wir uns selbige an der Theaterkasse im Forum Köpenick, drei Stunden vor Spielbeginn. Danach machten wir uns mit der S-Bahn auf den Weg in das wohl zuschauerunfreundlichste Stadion der Bundesrepublik, dem Berliner Olympiastadion. Gab in mein Apple-Design-Mobiltelefon die Route „Köpenick -> Olympiastadion“ ein und bekam von der Bahn-Applikation als Antwort „Fahrtzeit: 48min, 0 x Umsteigen“. Super, klasse, toll, schön. Dachten wir. Kaum oben auf dem Köpenicker S-Bahnsteig angekommen, der erste Schock. Anstatt S3 nach Spandau stand da auf dem blauen Kasten an der Decke „Ansage beachten“. Nun gut, beachten wir eben die Ansagen. Als aber nach 20 Minuten immer noch keine Ansage zum Beachten ertönte wurde ich unruhig. Ja fast schon ein wenig aggressiv. Bina redete mir gut zu und schaffte es so einen Vulkanausbruch in mitten Köpenick-City zu verhindern. Als eine S-Bahn eintrudelte und uns die versprochene Ansage immer noch verwehrt blieb, stiegen wir todesmutig ein und hofften auf weitere Informationen in der Bahn. Da Bahn-App und Bahnsteigpersonal jämmerlich versagten, war das unsere letzte Hoffnung irgendwie an News zu kommen. Und wer sagt’s denn, wir hatten Glück. Nach vier Stationen kam tatsächlich eine Durchsage vom Bahnfahrer an das niedere Fußvolk, wo auch Bina und ich stehend platziert waren. Die Stimme aus den Lautsprechern teilte uns mit, dass wir hier in Rummelsburg alle aussteigen, mit dem Schienenersatzverkehr-Bus zum Nöldnerplatz fahren, dann von dort aus bis zum Westkreuz mit der S-Bahn fahren und dann noch einmal umsteigen müssen um bis zum Olympiastadion zu kommen. Da konnte selbst Bina mich nicht mehr zurückhalten. Wurde aggressiv. Nicht, weil ich zwei Mal angelogen wurde (wir erinnern uns: Bahn-App „48min, 0 x Umsteigen“ und „Ansage beachten“), nein, weil die S-Bahn so schlau ist, eine völlig überfüllte S-Bahnlinie zur Hauptfahrtzeit an einem Wochenende durch einen SEV zu unterbrechen. Menschenmassen quälen sich in einen (!) Bus um zum nächsten weiterführenden Bahnhof zu gelangen. Liebe S-Bahn Berlin, also noch dämlicher geht’s wohl kaum!

"Is dit der Derdiyok?" - 
"Nee der Ballack, siehste dit nich?"
Nach 97 Minuten Fahrtzeit kamen Bina und ich endlich am Oval an. Bisschen imposant war der Kriegsbau schon, zugegeben. Doch als wir nach 30 weiteren Minuten endlich die Eingangstore passierten und unsere Tickets in den elektrischen Kartenleser drückten, war das ganze Theater mit der Bahn vergessen. Keine 15 Minuten später begann das Spiel. Ein Klassespiel. Wir hatten auch einen super Blick aufs Geschehen. Wir sahen so ziemlich alles, nur nichts scharf und groß. Weil wir in der allerletzten Reihe unter dem Dach (Oberring Kurve Ost, Block 40.1, Reihe 31, Platz 11 und 12) vom Kartenverkäufer in Köpenick eingeteilt wurden. Danke. Affe. Wir sahen es allerdings positiv, konnten so wenigstens die taktischen Ausrichtungen beider Teams feststellen. Würde die gerne hier auch zum Beweis aufschreiben, doch Hertha, sowie Leverkusen spielten nicht identifizierbare Systeme. Was sich auch im Endergebnis wiederspiegelte (3:3). Es war für mich mein erstes Herthaheimspiel und ich war gespannt auf die Atmosphäre. Als Unioner sagt man ja immer, dass beim Fahnenclub aus Charlottenburg keine Stimmung aufkommt. Anfangs dachte ich eines Besseren belehrt zu werden, doch als Hertha nach 82 Minuten plötzlich aus einer 2:0 Führung einen 2:3 Rückstand zauberte, zeigten die Blau-Weißen-Anhänger ihr wahres Gesicht. Ein Teil beleidigte die Mannschaft, der andere verließ das Stadion. Peinlich! Ich bin ja als neutraler Zuschauer ins Stadion gegangen, wollte nur Michi Ballack spielen sehen. BSC interessiert mich nicht die Bohne, Leverkusen dito. Doch als ich die flüchtenden Zuschauer sah, wollte ich, dass Hertha verliert. Naja, so wie Bina die ganze Zeit. Weil da ja der Derdiyok spielt. Aber Bayer 04 schaffte es tatsächlich nur eine Minute die Führung zu halten und uns so die Hoffnung einer Berliner Niederlage zu nehmen. Skandal! Bekamen die sogar noch einen Punkt, diese Erfolgsfans!

Fazit: Die An-und Abreise war katastrophal und kostete uns einige Nerven. Mag die S-Bahn nicht. Die Bahn-App auch nicht. Die Stimmung im Olympiastadion ist ergebnisabhängig. Hertha ist unsympathisch. Das Stadion noch mehr. Michi Ballack drückte dem Spiel nicht seinen Stempel, dafür aber seinen Hintern auf. Hatte wohl das falsche Schuhwerk an, setzte sich ein ums andere Mal auf seinen Hosenboden. Trotzdem cooler Typ, mit spezieller Batman-Maske! 6 Tore, wow und das im Olympiastadion wo’s sonst Tormagerkost gibt. Derdiyok mit Hattrick, Lasogga mit Doppelpack. Toprak macht ne Eigenbude. Kobiashvili verknallt Elfmeter in der 6. Minute, Leno hält. Alles in Allem, war es ein teurer, saukalter und kräftezehrender Spaß, allerdings mit 6 Toren.

Abschließende Frage: Welche verdammte Ansage sollten wir denn beachten?

S.J.

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